Brief eines Mitglieds das bei der Konkurenz gekündigt hat.

Montag, 4. August 2008 | 

Ihr kennt mich, ich bin das Mitglied das von euch gegangen ist. Ich war ein sehr nettes Mitglied. Ich beklagte mich nie. Ich bin zu Euch gekommen, um ein paar Kilo abzunehmen. Warum ich gerade Euch gewählt habe? Weil mich Eure schönen Mailing- Karten, die Ihr mir regelmäßig in den Briefkasten legt, irgendwie angesprochen haben.

Ich war trotzdem viele Monate unentschlossen, bis ich mich getraut habe bei Euch anzurufen. Als ich dann endlich anrief, war das schon ein bisschen komisch. Ich hatte nicht genau verstanden wer dran ist, wahrscheinlich war ich unkonzentriet beim Zuhören. Eingeladen hat man mich nicht direkt, aber auf die Frage, ob ich mal zur Probe kommen könnte, bekam ich sofort einen Termin. Auf dem Parkplatz habe ich mich ganz hinten hin gestellt, weil die Parkplätze vorn am Eingang wohl für Euch reserviert waren.

Also die Beratung war dann echt klasse. Der junge Mann war kompetent. Man merkte das auch an seinem routinierten Umgang  mit den vielen Fachwörtern. Es hat mich beeindruckt, wie viele Angebote ich in Anspruch nehmen kann, um meinem Pfunden zu Leibe zu rücken. Ich habe viele Fragen beantwortet und alles sollte in meinen Trainigsplan einfließen. Ich wurde Mitglied, nicht zu letzt, weil der junge Mann sich so herzlich um mich bemühte.

Ich war stolz auf mich und meine Entscheidung endlich anzufangen. Bei der Einweisung in das Gerätetraining, welches eine Trainerin vornahm, waren meine Angaben allerdings nicht mehr auffindbar. Sie wusste nichts von speziellen Übungen, die mir der junge Mann vom ersten Termin so angepriesen hatte. Dies sei der Plan denn alle erstmal machen, sagte sie. Nicht das Ihr mich falsch versteht, ich würde nie etwas sagen oder gar kritisieren. Das ist nicht mein e Art. Aber es war schon komisch, die junge Dame war sehr viel nüchterner als der junge Mann, und alle ging so schnell. Alles merken würde ich mir nicht können, aber ich könnte ja jederzeit Fragen stellen, wenn ich nicht zurecht käme. Sie wären ja immer für mich da, sagte sie mir, als wir dann endlich fertig waren.

Ich nehme immer viel Rücksicht, ich will ja auch nicht stören oder gar aufdringlich erscheinen, deshalb habe ich Euch auch nicht angesprochen, wenn Ihr mit einem Kaffee hinter der Theke standet und mit einem Kollegen gesprochen habt. Meinen Kaffee habe ich dann zu Hause getrunken. Auf Anfrage erhielt ich einen Trainingsplan. Obwohl mir beim ersten Beratungsgespräch noch in Erinnerung war, dass Ihr eigentlich auf mich wolltet. An der Erfrischungstheke wartete ich immer brav, bis ich a der Reihe war, auch wenn andere, die die Mitarbeiter kannten, häufig viel schneller bedient wurden. Obwohl sie nach mir kamen.

Ich wartete immer geduldig, wenn ich mal nicht bemerkt wurde. Wie gesagt, es ist nicht meine Art sich irgendwie zu beschweren. So schlimm war es ja auch nicht. Nein, schlimm war es nicht, auch nicht wirklich unhöflich. nur irgendwie so gleichgültig. Geärgert hat es mich, als Ihr 2x vergessen habt, meine Anmeldung zum Spinning einzutragen. Ich hatte mich so beeilt und gefreut. Aber außer einem „Oooh, das war wohl die Kollegin“, war nichts von Euch zu hören.

Es würde mir nie im Traum einfallen, wie andere Leute in der Öffentlichkeit eine Szene zu machen. Das ist albern. Aber gemerkt habe ich mir es dann doch irgendwie. Ich sagte nichts als der Anfänger- Kurs im Aerobic wieder mal zum Fortgeschrittenen Kurs wurde, weil so viele Könner dabei waren und ich nicht mehr mit kam. Kursleiter sollen ja auch Ihren Spaß haben. Aber wenn ich nie mitkomme verliere ich die Lust. Ich habe dann irgendwie aufgehört mit den Kursen. Bewundern tue ich die schlanken Kursleiterinnen immer noch, es sind manchmal wahre Künstlerinnen. Ich werde mich nie so bewegen können. Hin und wieder war ich mir nicht sicher, macht Ihr die Kurse nur für Euch, oder für Eure Mitglieder??

Beim Check- In an der Rezeption ward Ihr immer korrekt, aber ich hatte nie das Gefühl, dass Ihr Euch freut, wenn ich kam. Manchmal dachte ich wirklich, dass Ihr mich gar nicht kennt. So kam mir es jedenfalls vor.

Es stört nur am Rande, dass auf der Post, die ich von Euch bekam, mein Name immer falsch geschrieben wurde. Obwohl ich Euch es schon 2x gesagt hatte.

Im Juli habe ich die Sonnenbank probiert und dacht, ich würde Euch einen Gefallen tun, wenn ich Euch sage, dass drei Röhren nicht funktionieren. „ Das wissen wir schon“ war die Reaktion, und ich kam mir schon ein bisschen blöd vor. Wie konnte ich annehmen, dass Euch das entgangen sei??

Einige andere Mitglieder hatten immer nette Kontakte zu Euch, Wie gesagt, einige! Auch an den manchmal kritischen Gesprächen über Euch in der Sauna habe ich mich nie beteiligt, obwohl ich manchmal Lust und auch Grund dazu gehabt hätte.

Selbst als ich neulich beim Verlassen des Clubs laut und deutlich tschüss gesagt hatte und keiner von Euch reagiert, weil Ihr so sehr mit privaten Gesprächen beschäftigt war, habe ich nichts gesagt. Was hätte ich auch sagen sollen? „Hey ich bin ein Mitglied, achtet auf mich! Ich komme in meiner Freizeit und bringe mein Geld zu euch“. Lächerlich, so etwas würde ich nie sagen.

Ich habe mich aber den ganzen Abend irgendwie mies gefühlt, ja irgendwie unwichtig. Wenn ich heute darüber nachdenke, war ich auch ein bisschen sauer, weil man Menschen damit so gering schätzt, wenn man sie nicht beachtet.

Ich glaube, dass dieses Erlebnis und die schlechten Trainingsfortschritte letztendlich der Anlass waren, dass ich die Durchschrift von meinem Vertrag raussuchte und euch dann die Kündigung zuschickte.

Wie gesagt, ich war immer geduldig, verständnisvoll und auch höflich. Ich weiß, dass dort wo Menschen arbeiten auch Fehler passieren, aber irgendwie vermisste ich die positive Einstellung bei Euch. Ich nie so richtig das Gefühl, dass man um mein Wohlergehen bemüht. Obwohl Ihr ja Gelegenheiten genug gehabt hattet.

Als mich Euer junger Mann von damals anrief, war ich positiv überrascht. Er machte jetzt das Call- Center und rufe Leute an, die gekündigt haben um sie zurückzuholen. Er ist so sympathisch und herzlich. Er erinnerte sich an mich und war interessiert zu erfahren, warum ich aufgehört hatte. Ich sagte ihm, ich hätte keine Zeit mehr fürs Training. Ich weiß, ich war hier nicht ganz ehrlich. Es war aber einfach zu Spät. Ich wollte nicht mehr. Für ihn tat mir die kleine Notlüge leid, für die wenigen engagierten Taemkollegen nicht so sehr. Ich glaube, die ändern sich sowieso nicht mehr. Die stecken so in ihrer Routine.

Ich denke, die meisten Mitglieder, die Kündigen sind wie ich. Sie beschweren sich nicht. Sie kommen nur einfach nicht mehr. Ihr wollt wisse, warum ich mich nie beschwert habe? Weil nichts, was passiert ist, so schwerwiegend war, um deshalb ein großes Aufsehen zu machen.

Und wenn ich richtig darüber nachdenke, haben mich die „kleinen Fehler“ und Vergesslichkeit gar nicht so sehr gestört. Es war vielmehr das Gefühl, dass ich Euch gleichgültig war. Nichts ist schlimmer als dieses Gefühl!!!

Wenn ich gemein wäre, könnte ich sagen „Wer zuletzt lacht, lacht am Besten“. Ich lache aber nur, wenn ich sehe, wie Euer Chef wie ein Verrückter Geld für Werbung ausgibt, um mich zurück zu holen. Dabei hättet Ihr mich von Anfang an mit ein paar netten Worten, einem freundlichem Lächeln und ein bisschen mehr Sympathie behalten können.

Ach, übrigens, morgen begleite ich meine Freundin in ihr Fitnessstudio. Es liegt zwar etwas weiter von mir entfernt als Eueres und auch das Angebot ist nicht ganz so umfangreich wie bei Euch. Aber meine Freundin ist von den Mitarbeitern total begeistert!!!

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Thema: Allgemeines, Personalführung

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4 Kommentare

  1. 1
    Fred 

    Diesen Brief sollte man so einigen Sportstudios mal unter die Nase halten. Die meisten merken das nicht mal. Darüber reden werden die Leute im Studio mit dem Chef aber auch nicht (denke ich jedendfalls)

    Grüße Fred

  2. 2
    Jens 

    Wer findet sich hier wieder? Ehrlich?
    Der Beitrag hat schon einigen Wirbel ausgelöst. Danke für den Brief.

  3. 3
    Sven 

    Leider Gottes ist dies zumindest Teilweise die realität.
    Und ich glaube nicht, das irgendjemand von sich mit reinem Gewissen behaupten kann, sich nicht selber auch irgenwie ein bisschen darin wiederzufinden.

  4. 4
    Marcus 

    sehr lang das Ding!!
    Normal lese ich nicht so lange Briefe,
    naja aber es steckjt schon Wahrheit drinn… wir werden an uns arbeiten!

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